Header image  
Echoes of Swing  
 
 

Il était une fois...

DjangoDjango Reinhardt war – mit Les Paul und Jimi Hendrix – einer der drei wichtigsten Gitarristen des 20. Jahrhunderts und der Begründer des europäischen Jazz. Dabei wäre 1928 die Karriere des am 23. 1. 1910 in Liberchies/Belgien geborenen Musikers beinahe zu Ende gewesen, bevor sie richtig begonnen hatte. Ein Feuer in seinem Wohnwagen verbrannte eine Körperseite Reinhardts, seine linke Hand, die Greifhand, war verstümmelt. Der kleine Finger und der Ringfinger waren durch die verschmorten Sehnen verkrümmt und nur noch geringfügig aus dem Grundgelenk heraus zu bewegen.

Aber Django gab nicht auf; noch im Krankenhaus begann er, eine völlig neue Spieltechnik zu entwickeln, die es ihm ermöglichte, im Wesentlichen mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger zu spielen. In beschränktem Maße schaffte er es, den Ringfinger und den kleinen Finger auf das Griffbrett zu setzen, um Akkorde zu greifen. Seine rasanten Soli spielte er aber praktisch ausschließlich mit Zeige- und Mittelfinger.

In den 1930er-Jahren ging es mit Reinhardts musikalischer Karriere steil bergauf. Mit dem Geiger Stéphane Grapélli gründete er Le Quintette de Hot Club du France. Während der England-Tournee 1939 brach der 2. Weltkrieg aus. Während Stéphane Grapélli in England blieb, kehrte Django Reinhardt nach Paris zurück und setzte seine Karriere mit anderen Musikern und unterschiedlichen Instrumentalbesetzungen fort.

Als die deutsche Wehrmacht Frankreich besetzte, kehrten die meisten amerikanischen Jazzmusiker in die Heimat zurück. Die Clubs verwaisten, aber die Nachfrage nach Jazz blieb. Da sich die französischen Jazzfans nun auf die einheimischen Jazzmusiker besannen, war dies die Stunde von Django Reinhardt. Der hochgelobte Virtuose hatte nun praktisch freie Bahn in den Gewölbekellern der Zazous. An diesem Erfolg änderte auch die Besetzung von Paris nichts, denn ausgerechnet ein Wehrmachtsoffizier, Dietrich Schulz-Köhn – nach dem Krieg Gründer des "Hot Club Düsseldorf" und einer der wichtigsten deutschen Jazz-Biographen –, war ein großer Fan des Manouche Reinhardt und hielt die Gestapo fern, wohl wissend, dass sich bei Djangos Konzerten Résistance-Mitglieder trafen. Die Erkennungsmelodie der französischen Résistance-Mitglieder war übrigens eine Django-Reinhardt-Komposition: Nuages.

Nach 1945 spielte Django überwiegend elektrische Gitarre, nach seiner US-Tournee oft Instrumente von Gibson und Epiphone, meist aber seine mit einem Tonabnehmer versehene akustische Selmer. Reinhardt war berüchtigt dafür, seinen 6-Watt-Verstärker gerne bis über die Verzerrungsgrenze aufzudrehen. Beschwerden von Veranstaltern über die für damalige Verhältnisse brachiale Lautstärke pflegte er achselzuckend zu ignorieren.

Mit dem Aufkommen des Be Bop war Djangos Swing nicht mehr so beliebt. Aber innerhalb kürzester Zeit hatte sich Django, auch dank seines absoluten Gehörs, die musikalischen Finessen des Be Bop beigebracht, sodass sein Erfolg anhielt.

Nichtsdestotrotz verabschiedete sich Django Anfang der 1950er-Jahre in den Teilzeit-Ruhestand, was ihn aber nicht daran hinderte, regelmäßig ins Tonstudio zu gehen und neue Platten zu veröffentlichen. 1953 veröffentlichte er eine Reihe neuer Aufnahmen, von denen viele Kenner der Ansicht sind, sie seien seine besten und ausgereiftesten. Es wurde eine Welt-Tournee geplant. Doch schon der Tournee-Auftakt in der Schweiz wurde bald gestoppt: Reinhardt litt unter rasenden Kopfschmerzen und Taubheit der linken Hand; er hatte zunehmend Probleme, seine Finger zu kontrollieren. Dennoch weigerte er sich, einen Arzt aufzusuchen.

Er starb am 16. Mai 1953 in Samois-sur-Seine an einem Schlaganfall. zur Startseite >